Archiv für August 2007
Partnerschaft und Freiheit
Vielleicht können wir einmal über die Bedeutung der Partnerschaft nachdenken. Im Zusammenspiel mit dem was jedes Individuum unter Freiheit versteht. Und ich schwöre Ihnen, schon haben wir das erste Problem: für jeden von uns bedeutet Freiheit etwas anderes. Höre ich Freiheit, denke ich nicht als erstes an die Möglichkeit mich zwanglos für etwas entscheiden zu dürfen – ich denke an den Himmel, dass er blau ist und frei von Wolken: Freiheit ist für mich atmen zu können. Nicht zu dürfen. Freiheit ist für mich selbstverständlich. Höre ich Freiheit, so denke ich nicht daran, dass andere Menschen mich in meinem Verhalten behindern könnten. Ich denke nicht einmal daran, dass ich meine Meinung frei äußern kann, wenn ich überlege was Freiheit mir bedeutet. Manchmal denke ich an Geld. Ich denke dann selten an Partnerschaft, an Beziehung. Wenn ich wiederum in einer Beziehung bin, so denke ich relativ häufig an Freiheit, an das Atmen-können und atmen lassen. Partnerschaft, klingt für mich heute noch wie ein eingetragener Verein. Klingt für mich manchmal, wenn andere von der ihren berichten, wie Einsamkeit. Und wenn sie mir von ihren Partnern berichten, wie als erzählten sie von einer Besatzungsmacht. Ich übertreibe. Ganz so schlimm ist es nicht. Schlimm ist meistens etwas anderes.
Freiheit ist ein Privileg. Partnerschaft auch. Partnerschaft ist keine Unterwerfung und Freiheit lässt diese sowieso nicht zu. Es gibt immer welche, die schaffen das trotzdem.
Bedingungslose Liebe
Über bedingungslose Liebe lässt sich vieles schreiben – um sie zu erklären, bedarf es nicht vieler Worte. Bedingungslos lieben bedeutet die eigene Liebe nicht an Bedingungen zu knüpfen. An keine und zwar an keine einzige. Theoretisch einfach, praktisch umso schwerer, scheint es. Wer bedingungslos liebt, stellt keine Forderung und besitzt also keine Erwartungen. So lange ich erwarte, kann ich auch enttäuscht werden. Ich fürchte dabei nicht die Enttäuschung. Ich fürchte lediglich die Selbstlüge die sich offenbart, sobald ich mir nur endlich eingestehe, dass ich Zeit meines Lebens von anderen verlangt habe, meine an sie gerichteten Erwartungen zu erfüllen. Wurden Sie nicht erfüllt, war in meinen Augen selten ich schuldig – verantwortlich machte ich immer denjenigen Menschen, von dem ich mich verletzen ließ. Natürlich ist es weder dumm noch naiv so zu denken, so lange einem keiner beibringt, das eigene Glück selbst zu verantworten.
Warum es einem schwer fällt bedingungslos zu lieben, liegt scheinbar an unserem Egoismus, von dem wir oft behaupten, ihn nicht zu besitzen. Er sorgt dafür, dass wir in allen partnerschaftlichen Auseinandersetzungen uns nicht für die Motive des anderen interessieren geschweige denn verstehen wollen – denn dann gäbe es oft keine Gründe mehr für Schuldzuweisungen, denn man würde verstehen. Aber verstehen kann nur, wer verstehen will. Frage: wozu besitzen wir einen Verstand? Wer verletzt ist, stolz ist, der will in der Regel gar nichts verstehen. Ich kenne einige großartige Menschen, die aus übertriebenem Stolz heraus wirklich großartige Menschen verloren haben. Das wiederholt sich täglich. Und wie zum Lieben gehören auch zum Verlieren z w e i.
Das wir mit jeder Bedingung die wir gegenüber unseren Partnern aufstellen, uns selbst um die Chance berauben, dass zu erhalten was wir meinen verdient zu haben – weil Bedingungen Rahmen setzen, man aber eine partnerschaftliche Entwicklung nicht vorgeben, nicht planen sondern sie nur verstehen lernen kann, scheint irgendwie allen klar – so klar, wie wir alle keine Bildzeitung lesen, unseren Nächsten lieben wie uns selbst und alle wissen wie man glücklich wird – wie man glücklich ist, wissen wir nicht. Natürlich gibt es Menschen die denken, sie könnten dennoch alles, alles erzählen. Aber was sie leben unterscheidet sich von dem was sie erzählen und noch viel mehr von dem was sie sich wünschen.
Inzwischen habe ich entschieden im realen Leben nicht mehr nach ihr zu suchen – dieser bedingungslosen Liebe. Einerseits muss ich gestehen, dass es meinem Sehsinn noch erheblich an Schärfe mangelt, um diese Art Liebe überhaupt erkennen zu können. Andererseits bin ich selbst zu bedingungsloser Liebe gar nicht fähig. Und wie soll jemand wie ich ein Lateinbuch lesen, der Latein nicht versteht? Oder anders: wie soll ich eine Stinkwarze erkennen, wenn ich nicht mal weiß, dass es sich dabei um ein Insekt handelt?
Die Liebe die ich mir wünschte, wäre frei von Bedingungen. Ob ich aber den Menschen der sie aussendet, begreifen, verstehen und in seiner Freiheit zu sein auch aushalten könnte, dessen bin ich mir unsicher. Ob ich ihn im Vorbeigehen erkennen würde, ebenso. Ich frage mich ernsthaft, was ein Mensch erfahren haben muss, der bedingungslos liebt, der diese Qualität entwickeln konnte? Ich weiß, dass mich immer nur die miesesten Schicksalsschläge haben wachsen und reifen lassen. Was also hat ein solcher – bedingungsloser – Mensch verstanden? Und wie verhält sich ein solcher Mensch mir gegenüber? Ich kann bisher besser mit berechenbaren Menschen umgehen. Die unberechenbaren finde ich allerdings attraktiver. Im Tierreich ist Unberechenbarkeit eine Überlebensstrategie.
Ich liebte noch nicht bedingungslos, könnte ich annehmen. Eher kapitulierte ich stattdessen bedingungslos. Bisher liebte ich stattdessen wohl in Gedanken und war verletzt von dem was das Leben mir bat, wenn es ihnen nicht entsprach. Was mir fehlte, waren ganz einfach Überlebensstrategien. Ich bin bisher noch immer dort, wohin mich meine, unsere oder die Kultur meiner Eltern, dieser Gesellschaft, wohin mich meine Herkunft, meine geistige Entwicklung haben kommen lassen – Liebe ist für mich nur möglich, wo ich die von mir gestellten Bedingungen erfüllt sehe – also gar nicht. Um das hinter mich zu bringen fuhr ich bisher gerne aus der Haut, verlor meine Fassung, den Verstand oder die Beziehung.
Meine Liebe endete bisher, auch die größte – also liebte ich nicht wirklich, denke ich heut’. Also liebte ich nicht bedingungslos, weiß ich erst jetzt. Aber das klingt absolut und mit Vernunft betrachtet sogar dogmatisch. In meiner Entwicklung halte ich da noch einiges für möglich. Wahrscheinlich liebte ich insgeheim dennoch, irgendwie, nur ohne Verstand, ohne Vernunft – von Weisheit ganz zu schweigen. Weisheit – sei die Fähigkeit, Erfahrungen zu machen.
Anyway – ich weiß, dass es keine Sicherheit gibt, dass mir ein Mensch und erst recht seine Liebe nicht auf ewig gehört. Das ich nicht leben kann, was ich schon weiß, muss was mit der Übertragungsgeschwindigkeit zwischen Fleisch und Blut, Verstand und Herz zu tun haben. Wissen ist nicht Intelligenz und Intelligenz keine Weisheit. Noch habe ich auch Neid und Eifersucht nicht verstanden, um sie auf ihre Plätze zu verweisen und sie dort einzusetzen, wo sie in Maßen auch erträglich sind oder vertretbar oder profitabel – in der Regel mache ich mich noch lächerlich wo ich sie herauslasse, die Eifersucht. Noch mache ich mein Gefühl glücklich zu sein abhängig vom Verhalten anderer. Noch ist das nicht das Ende meiner Entwicklung. Gestorben bin ich noch nicht – I am still alive.
Jean-Paul Satre oder Simone de Beauvoir – beispielsweise – schienen dem Ideal der bedingungslosen Liebe da schon näher. Ihre Briefe zeugen davon. Auch Henry Miller wirkt nach wie vor inspirierend, wenn ich in Insomnia von seiner Liebe lese, die er sich als alter Mann gegenüber einer jungen Barsängerin zugestand. Das ist Weisheit in Badezeit – ein Mann, sein Buch, mein Wort: nach einem Bad mit diesem Buch sucht man nach mehr solchen Büchern zum Baden.
Natürlich möchte ich weiter, meinem Geist Raum geben, Luft geben um sich über einige der beengenden und gesellschaftlichen Konventionen zu erheben, die allesamt wenig mit bedingungsloser als viel mehr mit konstruierter Liebe zu tun haben, mehr mit bedingungsloser Kapitulation und kultureller Blindheit für das augenblickliche Gefühl in dem jeder lebt.
Ob meine Erwartungen angemessen sind, meine Bedingungen die ich aufstelle, realistisch scheinen oder nur meinem Egoismus entspringen, dass lässt sich immer wieder recht schnell daran erkennen, ob mir das Leben leicht oder schmerzhaft erscheint. Inzwischen immer leichter, der Schmerz. Nein, ich spaße. Wo die Unzufriedenheit nicht enden will, scheint noch keine Einstellung zum Leben entwickelt, keine Position bestimmt worden zu sein, kein Charakterzug herausgebildet. Liebe, so heißt es im Olymp der Weisen, sei eine Einstellung zum Leben.
Was Glück kostet
“Wer liebt, kann doch nicht wollen, dass sein Gegenüber nicht bekommt was es zum Glücklichsein braucht. Und erst recht ist es doch lächerlich, jemanden zu verurteilen, der sich seine Freiheit wünscht.“
Es ist für mich nicht verwunderlich, dass wir an uns denken, auch dort, wo wir meinen es nicht zu tun. Dieser Satz soll keine Verwirrung stiften – nur bin ich mir zunehmend sicher, dass niemand mich in meiner Jugendzeit auf die Motive meines Egos aufmerksam machte, mich dafür sensibilisierte, auch mich selbst und somit meine Handlungen und Entscheidungen (aufgrund der eigenen Motive) zu beobachten und am Ende auch verstehen zu lernen bzw. zu erkennen. Ich glaube schon daran, behaupten zu können, dass jeder auf seine Art nach Glück bzw. Glückseligkeit strebt, nach einem emotional ertragbaren, vielleicht auch – im wahrsten Sinne des Wortes – erträglichem Zustand strebt. Doch besteht für mich immer die Frage, ob wir im Einzelfall wissen, dass wir dieses Ziel verfolgen und zwar nahezu als von Etwas getriebene, sicher oft von Gefühlen getrieben, aus Sehnsucht nach innerem Frieden getrieben, fort getrieben vom Unglücklichsein über Irgendwas hin zur Glückseligkeit. Ich denke, dass uns Glück nicht kosten darf was es wolle. Aber dieses Ziel, Glück zu finden, verfolge ich zumindest, sehr häufig erschreckend unbewusst, dennoch erschreckend zielstrebig und oft auf Kosten anderer – indem ich Schuld und Verantwortung immer wieder auch in anderen suche. Ich will nicht heilig klingen, dass stünde vielleicht kaum einem Menschen zu – doch ein wenig mehr Bewusstsein für das was wir veranstalten, wünschte ich mir erschreckend häufig. Denn andernfalls besteht in meinen Augen – leider häufig nur in meinen Augen, nicht aber in meinem Bewusstsein – die Gefahr eines zu hohen Preises. Und am Ende ist, für den und diejenige, der und die ohne Bewusstsein reisen, von Unglück zu Glück, das nächste Unglück nicht fern und das erreichte Glück nur von kurzer Dauer.
Der Mensch der versteht, sein Glück auch selbst zu verantworten, zahlt keinen Preis. Der Mensch der nicht versteht, zahlt viel, für nur kurzfristiges Glück.
Untreue
Untreue ist eine schmerzvolle Erfahrung. Ich verstehe, seitdem ich sie selbst erleben durfte, nicht mehr, wieso sie uns so verletzen kann. D.h., ich habe mir natürlich ungezählte Gedanken gemacht, wieso ich selbst verletzt war, wie ich mich habe so verletzen lassen können und warum ich daraufhin am Ende sogar die Beziehung als für beendet empfand – und mich trennte, wenn auch irgendwie gezwungener Maßen. Wenn auch irgendwie trotz der größten Liebe meines Lebens. Verletzt war mein Stolz – nur frage ich mich bis heute noch, was das ist – Stolz. Ich habe das zum damaligen Zeitpunkt nicht ertragen können, den Menschen meiner Träume ohne mein Wissen mit anderen geteilt zu haben. So war das Verletztsein und der gekränkte Stolz nur das Ergebnis meiner Enttäuschung, das kein Mensch mir alleine gehöre. Das allein wollte ich: jemanden für mich alleine. Und diese verdammte Enttäuschung konnte nur geschehen, weil ich mir etwas anderes eingebildet hatte – eben das ein Mensch mir alleine gehöre. Und ich wollte den besten Menschen an meiner Seite. Einen der mich versteht, ganz gleich was ich tun würde. Dieser Mensch sollte mich lieben wie ich bin. Im Nachhinein finde ich es naiv an so etwas geglaubt zu haben – es mit jemandem aufnehmen zu wollen, der frei war, während ich zu keiner Freiheit bereit war und in Konventionen lebte. Schlimmer noch als diese Naivität fand ich, dass ich jemanden darum verurteilte, weil er Mensch war und sich die Freiheit nahm Mensch zu sein. Ich war unfähig und das weil mich eine ganze Gesellschaft auf diese Unfähigkeit hin geprägt hatte. Und da war ich dann: einmal im Leben glaubte ich an die große Liebe (und ich glaube noch heute daran und daran dass sie einem öfter widerfährt/ widerfahren kann). Zu diesem Zeitpunkt meiner persönlichen Entwicklung wollte ich die bedingungslose Liebe. Ausgerechnet an ihr scheiterte ich. Mit der Bedingung der unbedingten Treue. Weil ich um mich herum immer wieder sehe, wie eine nach der anderen, die Männer genauso, ihre Herzen und damit sich selbst verschenken, wie sie blindlings etwas von großer und von bedingungsloser Liebe faseln und ohne Umwege in des Messers Spitze laufen notiere ich es. Wir sind mitunter geblendet, nicht nur von äußerer Schönheit, sexueller Attraktivität – wir sind geblendet von der Sucht nach Bestätigung, der Angst vor Einsamkeit, von der Chemie die uns steuert, vom Spiel und von Machtgefühlen. Aber alles das führt nicht direkt in das Glück, welches ich heute das meine nenne, das eigene, es führt zur kurzfristigen Befriedigung und sobald sich die einstellt, in die gleiche Einsamkeit, die selbe Angst …
Wenn es im Bett nicht mehr geht
Ja wenn es im Bett nicht geht, dann geht es immer noch anderswo. Was Sie jetzt denken ist leider einfältig. Fremdgehen ist eine Lösung. Eine Lösung um kurzfristige emotionale Zustände in bessere emotionale Zustände zu verwandeln. Das stimmt. Und wer einmal die Erfahrung gemacht hat, dass Zustände, vor allem emotionale sich verbessern lassen, läuft Gefahr nach Verbesserung süchtig zu werden. Es heißt, Menschen besäßen ein hohes Suchtpotential.
Fremdgehen ist glücklicherweise nicht das Ende einer Beziehung – es ist jedoch auch nicht der Anfang einer neuen Beziehung. Manchmal. Erstmal ist es ein großes emotionales Chaos das heraufzieht. Das Chaos besteht darin, die bekannten Konventionen der bestehenden Beziehung aus dem Kopf und dem Gewissen zu kämmen. Und es ist weniger die Frage ob das geht. Die Frage ist immer die selbe: Darf ich das? Welchen Charakter wird man mir nachsagen und was eigentlich geschieht jetzt mit meinem bisherigen Partner bzw. meiner Partnerin? Was wird mit mir geschehen wenn alles auffliegt und was kann ich verlieren?
Um ehrlich zu sein, finde ich, dass es einem a) egal sein kann und b), wenn man Lust hat sich wirklich weiter zu entwickeln, dann muss man das was man unter Fremdgehen versteht, nicht fremd machen. Huch. Ja, nicht fremd. Das kann man vorher besprechen. Dann kommt das Chaos nicht auf. Nein? Das geht nicht? Das würde nie gut gehen? Warum eigentlich nicht?
Dann fragen Sie sich das nicht erst – dann sind Sie sowieso eher der konventionelle Menschentyp – voller unbefriedigter Bedürfnisse und ein recht dreckiges Gewissen oder mindestens schmutzige Gedanken. Aber warum nur? Angst macht Krebs. Ungestillte Bedürfnisse auch. Wer liebt, kann nicht ernsthaft wollen, dass sein Gegenüber nicht bekommt was er oder sie zum Glücklichsein braucht – mit Ausnahme derjenigen, die vor Liebe blind sind. Und erst recht ist es überflüssig jemanden zu verurteilen, der so frei ist seine Freiheit zu leben. Aber entscheiden Sie selbst und lassen Sie es mich wissen.