missgeschick

Eine Phantasie

In Bedürfnisse, Freiheit, Intensität, Konvention, Leben, Liebe, Partnerschaft, Risiko, Sexualität, Untreue on September 20, 2007 at 3:12

Einer der bekanntesten Slogans 465 Wörter

Mir ist nach Untreue. Das hat auch Gründe. Wenn es in der Beziehung weder nach vorn noch zurück geht, tritt dieser tödliche Stillstand ein, Atemnot. Ich fürchte mich davor. Es ist, als gammele einem der Kopf ab. Woody Allen erwähnte an einer Stelle seines Stadtneurotikers, dass Haifische wie die Liebe seien, würden sie stehen bleiben, krepierten sie elendich. Aus Atemnot.

Die Gedanken schweben wie glitzernde Tetrisbausteine, vage in der Ortlosigkeit meines Kopfes, nicht hin und her, eher aufsteigend, obgleich gerade erst vom Scheitel hinabgefallen. Ein Durcheinander, an manchen Tagen, in mir, in der Beziehung, wenn es weder nach vorn noch nach hinten geht. Alles steht. Bis auf zwei Ausnahmen bewegt sich nichts mehr: die Welt und die Phantasie.

Im Stillstand, da dreht sie sich um einen herum, die Welt, schnell wie das Wasser, dass im nächsten Moment durch den Abfluss die Kanalisation betritt, zwischen den Händen zerrinnt, und im Dunkeln verschwindet. Zurück bleibt eine leere Keramikwanne auf Füßen die laufen können und ich. Ich möchte mit, zurück ins Meer. Auch wenn das die Beziehung sein kann.

Das Dunkel, aus dem die Phantasie herausbricht, still, klammheimlich, höre ich phantastische Gedanken aus dem Scheitel herabtropfen. Der stete Tropfen höhlt den Stein. Denke ich. Ich denke nicht nach. Denn ich lasse die Gedanken passieren und folge ihnen nicht. Das allein muss sein. Muss wirklich mal sein. Das gesprochene Wort bringt mehr Chaos, Verwirrung.

Das einzige Licht, wenn nichts sich mehr bewegt, strahlt aus dem eigenen Gewissen heraus. Moral! Wie notwendig sie ist und darum so gewöhnlich erscheint.

Ganz sicher nicht um jemanden zu ärgern, ist mir nach Untreue, diesem vielbeschriebenen Wort zumute, dass mich in solch kalten Zeiten noch ein wenig erhitzt – durch das innere Zwiegespräch mit dem eigenen Gewissen: soll ich? Darf ich? Kann ich? Ich bräuchte ein wenig Intensität. Denkt, wer die letzte nicht mehr spürt. Intensität statt Gewohnheit. Ich bin der bekannten Ansichten müde. Das Alte überwiegt das Neue, manchmal. Ich möchte nur dem Alten untreu werden, nicht dem Neuen. Was ich kenne ist von Wert.

Der Anblick meines Partners erhitzt mich, verfolge ich die neuen Phantasien, vergleichsweise wenig. Aber vergleiche ich mich mit dem, was ich mir wünschte zu sein, verhält es sich nicht anders.

Ich kenne die Bewegungen meines Gegenübers, alle, die Gesichter, die langweilige Mimik, alles – zieh doch endlich einfach den Stöpsel und dreh Dich bis das Dunkel Dich verschlungen hat – ich würde Dir folgen! Nur noch Phantasie ermuntert mich beim Anblick des doch eigentlich schönen Körpers – das erscheint geradezu mühevoll, irgendwie subventioniert. Kann das? Darf das? Soll ich? Ich mache schön, was nicht mehr schön ist, augenblicklich, momentan, sagt mein Gewissen. Eine Momentaufnahme, wenn ich nachdenke.

Phantasien sind nichts anderes als unausgesprochene Entscheidungen. Gutwillige Krebsgeschwüre – es gibt sie nicht. Doch diese Untreue ist Phantasie. Sie gehört dazu.

FAST FOOD

  1. hi. ich hatte gerade gestern eine interessante diskussion mit einem kollegen und einer kollegin über untreue. er: es gibt zwei gründe, warum männer treu sind. es fehlt ihnen die gelegenheit oder sie haben angst. bei dir ist das zweite der fall. angst. moral. ich frage mich bei der ganzen treuegeschichte etwas anderes: wieso kann man nicht einfach ehrlich sein? mit dem menschen, den man angeblich liebt, über die eigenen gedanken sprechen? wenn sie das lesen würde, was du hier schreibst? wäre sie dann weg oder gäbe es einen neuen input, euch neu kennenlernen? peter lauster hat interessantes zum ‘neuen, das wir alt machen’ geschrieben… nicht deine partnerin ist alt, sie ist in jedem augenblick frisch, genauso wie du, für jeden andern mann ist sie das – und vielleicht gehts ihr ja ähnlich wie dir – aber in deinem kopf ist sie alt, in deinen vorstellungen, weil du glaubst, sie zu kennen, sie als bild in dir hast anstatt das, was im moment, im jetzigen augenblick da ist, wahrzunehmen. das jetzt ist immer neu und frisch. es ist. wenn du die partnerin wechselst geht das gleiche spiel von vorne los. das neue wird alt. immer und immer wieder. solange bis du es durchbrichst. du selber. indem du ganz präsent wirst, die wahrheit sprichst, indem das was ist wieder durchschimmern kann. ich glaube, treue ist nicht die lösung. ich glaube auch, untreue ist auch nicht die lösung. meistens fliegts auf. und hinterlässt verwundete herzen. aber so weitermachen, damit bist du dir selber untreu. vielleicht gibt es einen weg, weder dir noch ihr untreu zu werden… ich wünsche es dir…

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