Archiv für Dezember 2007
Liebe, Verantwortung und Egoismus
Es steht viel geschrieben über die Liebe, die bedingungslose Liebe. Nicht wie man sie erlebt, lebt oder übersteht. Wer bedingungslos liebt ist ein freier Mensch, ist mutig und bewegt sich nicht entlang der von Holly- oder Bollywood vorgegebenen Bildgalerien, nicht entlang der romantischen Matrizen der Weltliteratur, Werbeagenturen oder ähnlichen Gussformen und industriellen Gebärmüttern zur Herstellung lebensferner Wunschvorstellungen und Bedürfnissen. Sie dienen der Unterhaltung, sollten aber keine Vergleichs-Vorlagen werden. Wer vergleicht verliert sich aus dem Auge.
Ohne Bedingung zu sein, heißt wohl auch frei von Forderungen und Erwartungen zu sein. Ein Zustand, den kaum jemand für länger als Momente beherrscht. Wer den Mut als Mensch aufbringt derart frei zu sein, frei zu lieben, ohne die Erwartung der Gegenliebe, ohne das Bedürfnis den anderen, zur Befriedigung der eigenen Wünsche, zu erziehen, seine Gefühle zu lenken, wird frei von Enttäuschung sein.
Frei von Enttäuschung sind wir wohl dann, wenn wir den Mut aufbringen, für unsere Gefühle, für unsere Missstimmungen, unsere Verstimmungen, unsere Bedürfnisse selbst verantwortlich zu sein. Dann sind wir wohl frei. Nicht nur frei von Enttäuschungen. Wer frei ist, ist auch frei von Vorgaben, Vorstellungen im Idealfall vielleicht frei von der Gewohnheit abhängig zu sein. Abhängig zu sein von dem was andere für wertvoll empfinden ohne darauf im Einzelfall zu verzichten – Schönheit, Macht, Reichtum; es zu nutzen, doch nicht mehr darauf angewiesen zu sein. Und wer sich von Egoismus frei macht, so weit das geht zumindest, ist auch nicht einsam.
Frei zu lieben, bedingungslos sein, fordert unseren Egoismus heraus, der uns inne wohnt und immer begleitet. Wir Menschen können uns wohl nicht befreien von ihm, doch können Menschen ihren Egoismus erkennen, sowie ihre Liebe, sowie individuelle Qualitäten, Schönheit, Charakter. Wir können das was wir wollen. Was ein Mensch kann, dass hängt vermutlich stark von dem ab was ein Mensch will. Will er etwas nicht, wird er es kaum können. Mathematik, Physik, Bildung oder Freiheit. Das lässt sich gut erkennen in dem was Menschen verstehen wollen – wir alle besitzen einen Verstand und wer verstehen will, versteht auch.
Es hängt wohl davon ab, was wir Menschen erkennen können, vielmehr, was sie oder ich erkennen wollen. Wer nicht erkennen möchte mit wem er es beispielsweise zu tun hat, wird sich selbst bis zum Ende seines Lebens untreu bleiben. Wer sich selbst untreu bleibt, wird auch anderen gegenüber nicht ehrlich sein, wird sie nicht erkennen können und sie darum nicht verstehen lernen und Fehler begehen, immer wieder. Es ist wohl nichts einfacher als zu behaupten, „ich verstehe Dich nicht“. Verantwortungslosigkeit ist ohnehin sehr einfach. Es wäre schwieriger und gleichzeitig ehrlicher zu behaupten „ich will Dich nicht verstehen“. Das wäre ehrlich und gleichzusetzen mit die eigene Verantwortung zu übernehmen. Für alles, bedingungslos. Alles andere ist nicht Liebe sondern im Verhältnis betrachtet, stark gefärbt von Egoismus. Liebe scheint hingegen Weisheit. Die kann man nicht vortäuschen. Man hat sie oder eben nicht. Man liebt oder eben nicht. Der Rest ist Weg und Prozess.