Archiv für Februar 2008
Feiglinge denken zuerst an sich
… wir klingen lächerlich, wenn wir über die Liebe schreiben, vergleicht man die Liebe nur einmal mit unseren Worten, Gedanken und dem was wir glauben was sie sein soll – wir wünschten so oft viel mehr als das was wir bekommen. Mehr als das was wir selber geben. Weil wir schreckliche Angst haben zu verlieren. Lieben kann man einen Feigling. Aber Feiglinge können nicht lieben.
Ich habe mein Leben nach Liebe, nach großer Liebe, verbindlicher Liebe gesucht, und mein Leben und meine Partnerschaften versucht, gleich wie sie waren zu lieben, verbindlich, treu und mit meinem Herzen – glücklicher Weise ist mein Leben vermutlich noch lange nicht zu Ende. Denn die Suche war – wie auch meine Liebe – erfolglos, eine lange Zeit war sie ohne Erfolg – bis auf die große Liebe fand ich zuvor nur Illusionen, die ich alle für die große Liebe hielt – weil ich dachte, glaubte und nicht schaute, beobachtete – mich, meine Bedürfnisse aber vor allem schaute ich nicht, woher sie kamen, meine Bedürfnisse. Ich versuchte sie nur zu erkennen statt sie auch zu verstehen.
Liebe fand ich erst, nachdem Liebe mich enttäuscht, mich schrecklich desillusioniert hatte, mich unvorhergesehen befreit hatte von dem was ich dachte was Liebe sei, glaubte was Liebe sei, weil ich dachte hinzusehen und zu erkennen was Liebe sei, zu verstehen worum es ginge in der Liebe, in der Partnerschaft, worauf es ankäme in der Liebe und in der Partnerschaft – auf Liebe und das wer liebe, immer Recht habe – das führte in der Partnerschaft aber zu keiner Lösung, also liebte ich noch mehr um mein Recht nicht zu verlieren, trotz aller Probleme. In Wahrheit wollte ich nur die Befriedigung meiner Bedürfnisse. In Wahrheit. Erst später lernte ich lieben.
Meine Ungenauigkeit zu lieben, mich zu sehen, die Partnerschaft zu sehen, ihre Entwicklung, meine Entwicklung, meine Bedürfnisse, meine Wünsche, meine Sehnsüchte nach Erfüllung und alle der Egoismus führte dazu, dass ich Sehen lernte, als mir eines Tages alles das was ich große Liebe nannte, darum in die Fresse sprang, mit der Faust vorne weg – als ich mal wieder glaubte im Recht zu sein, es aber keinesfalls war, weil es um Recht nicht ging, vielmehr um Verstehen, Erfassen – das Gegenüber und seine Vorstellungen von Liebe, seine Bedürfnisse, Illusionen. Schier unfähig war ich, das irgendwie zu begreifen. Schier unfähig von mir zu lassen um mich einzulassen auf das Gegenüber.
Seither sehe ich nicht mehr nur mit dem Auge, sehe ich mich nicht mehr nur im Spiegel. Seither sehe ich wie ich wirke, wie meine Bedürfnisse wirken auf das was ich denke, was ich sage und wie ich mich spiegele in meinem Gegenüber – was ich bekomme, ist exakt das, was ich gebe.
Ich sehe zudem seither die Bedürfnisse anderer, in ihren Worten, die Sehnsüchte anderer, in ihren Worten, ihrem Verhalten. Ich sehe mich in jedem Gespräch, sehe mich in dem was man mir erzählt, mir anvertraut, zutraut, sehe mich in jeder Aufgabe die ich für irgendwen erledigen soll. Desto mehr Wünsche man mir gegenüber äußert, desto größer erscheinen mir die meinen. Desto größer die Erwartungen die an mich herangetragen werden, desto mehr fürchte ich die meinen. Alles eine Frage der Einstellung.
Ich sehe was wir bereit sind und was wir in der Lage sind zu geben und wie wir uns alle dabei gleichen und wie oft viele von uns sich abmühen und immerzu zählen wie viel eingenommen oder ausgegeben wurde, beim Lieben. Wir denken auffällig oft an den Gewinn, nicht an die Investition oder noch besser: an die Notwendigkeit und in den seltensten Fällen besitzen wir, was wir wirklich brauchen für eine Partnerschaft, was wir brauchen um zu lieben, um zu geben: Vertrauen. Oder Courage ehrlich zu sein und auszusprechen was wir brauchen. Desto stolzer wir tun, desto lächerlicher werden wir – dann immer sind wir Feiglinge. Und geben vor etwas ganz anderes zu sein – und haben wieder nur Angst zu verlieren was wir sowieso niemals besitzen.
Ich habe erst jetzt begriffen, wie wenig wir bereit sind zu geben und wie viel wir im Gegensatz dazu geben könnten und es aus Gleichgültigkeit, von der wir meinen befreit zu sein, nicht tuen. Ich habe erst jetzt begriffen, nach wie viel wir suchen und wie viel mehr uns stattdessen zur Verfügung stünde – jedem von uns. Doch wir sind schrecklich ungenau im Hinschauen, im Beobachten.
Erst jetzt, nach einer Reise, die mich durch Beziehungen, Abenteuer führte, in Affären stürzte, durch Wunschträume und in die Erfüllung dergleichen, begreife ich die Ahnung, die wie Atem in kalter Luft vor mir aufsteigt, sichtbar wird. Ich begreife meine Egozentrik, ich begreife meine Sehnsucht nach Anerkennung, meine Selbstzweifel, meinen Stolz, die sucht nach Verstandensein, die Angst vor Einsamkeit, vor dem Sterben und meine Geschwindigkeit irgendwo irgendetwas zu erreichen, irgendwo irgendetwas auffinden zu wollen, irgendwovor geflüchtet zu sein – vor mir, mein Leben dafür geopfert zu haben – bis zu diesem Zeitpunkt. Alles wird anders.
Dasein ist schöner als Ankommen. Schöner als unterwegs zu sein, schöner als Wünsche zu haben und für die Zukunft zu leben, sich auf die Zukunft zu freuen, schöner als nur für das zu leben was kommt. Dasein ist, was mich lehrt angekommen zu sein und lieben zu können – mich selbst und alle anderen. Es ist nur eine Entscheidung entfernt gewesen.
Mehr Liebe als je zuvor
Es ist keine Kunst einen Weblog zu gestalten und ihn voll zu schreiben, mit mehr oder weniger sinnlosen Worten, Phrasen, Glaubensbekenntnissen. Im Internet rund um die Uhr zugänglich zu sein, sich der Neugierde anderer „auszustellen“, schlimmstenfalls die Sucht nach Selbstdarstellung und den eigenen Glauben zu zelebrieren, daran, dass es lesenswert sei, was man in die Tastatur drückt.
Man sitzt, gleich wo, an einer Tastatur und beginnt über den Anfang eines Textes zu grübeln, zu dem man soeben einen Gedanken bekam. Das ist wohl bei denjenigen Menschen und „Autoren“ der Fall, die ansonsten kein sonderliches Konzept besitzen, weder thematisch noch sonstwie – wobei „sonstwie“ eigentlich auch nichts interessantes bedeuten soll. Sonstwie ist die Wurst mit zwei Enden. Gleich wo sie anfangen, Sie werden dort enden wo sie angefangen haben, bzw. wird es keinen Unterschied geben an welches Ende Sie gelangen – Sie bleiben ohne einen Mehrwert. Gehen wir einmal davon aus, dass Menschen einen Weblog schreiben, da sie in der realen Welt bisher keine Verdienste erwerben und nichts besseres zu tun wissen, als eben einen Weblog zu schreiben – selten einen Weblog von wirklich interessantem Ansatz. Oder gehen wir davon aus, dass Menschen einen WEblog schreiben, um ihre Leser in der täglichen Statistik zu zählen. Oder gehen wir davon aus, dass die Hemmschwelle im Netz, in der virtuellen Welt weit niedriger ist, wenn es darum geht sich zu überlegen, ob dass was man selber denkt, lesenswert ist.
Dieser Blog hier nennt sich Quickie, da er einem Bedürfniss folgt, der Ausguss eines spontanen Gedankens ist – grundsätzlich eher dahingeschissen kommt, wird und nur selten überarbeitet. Ich habe irgendwo angefangen, wirklich irgendwo und konnte nicht mehr aufhören, gar nicht mehr, dass was ich, was mein Glaubensbekenntnis zu dieser Welt ist, virtuell auf eine – wie oben erwähnte – sehr lächerliche, wenn nicht beschissene Weise zu manifestieren – das Erschreckende ist, es wird gelesen, täglich, immer wieder, ich muss nur etwas Neues hinzufügen und schon kommen die Fliegen zurück – ein wenig Gefühl, etwas emotional bekanntes und die Scheiße rennt. Aber das wollen wir jetzt mal ändern. Ein anderer Ton soll her. Er soll Ihnen dennoch etwas bringen. Mehr Ehrlichkeit, mehr Liebe als je zuvor. Aber kurz nochmals zurück zur Entstehung:
Irgendwo angefangen, glaubte ich über die Liebe zu schreiben, von der ich angenommen habe, dass es sie gar nicht gibt – DIE Liebe. Nein, ich habe im Folgenden auch keine Er- und kein Auf-klärung vor, noch will ich Sie, die mich Sie mich gerade lesen, belehren, ob eines Besseren, ob eines Schlechteren – Sie würden es eh nicht glauben wollen, besser wissen oder wieder vergessen – oder wofür lesen Sie hier gerade? Ach ich weiß das auch nicht. Wir Menschen sind schon komisch, nicht wahr?
Ich weiß sehr wohl um die Substanzlosigkeit von Weblogs, diesem Weblog und was ich Ihnen damit zumute, zumindest aus der Perspektive derer, die nirgends eine Substanz erkennen, keine Substanz erfassen und auch keine Substanz begreifen, muss das hier eine Zumutung sein. Schlimm sind die Menschen die ohne jede Perspektiven umhersurfen, ziellos. Ich sage Ihnen gleich, warum ich das hier mache.
Sie, also diejenigen, die bisher nicht viel erkennen, lesen so dahin wie sie sonst so dahin schreiben, ganz ohne Ziel. Zu denen zähle ich auch diejenigen, die immer Kontakt aufnehmen müssen, zu jedem den sie meinen zu verstehen und dann hinterlassen sie einem Worte in den Kommentarfeldern, nur um einem Worte im Kommentarfeld zu hinterlassen – ganz schrecklich. Man muss darauf antworten oder sie beschimpfen, ihnen erklären, dass man nicht möchte, das sie alle ihre Gedanken in einem Weblog wie diesem hier äußern. Bin ich nicht verachtend – ich weiß noch gar nicht, warum. Aber länger schon wollte ich das mal weniger konstruiert in Sätze bringen. Heute ist Zeit dafür.
Ich kenne manch einen, meistens fremden Menschen, der zu einem Kontakt aufnimmt, um einem nur das zu sagen was er zu denken pflegt um es gesagt/geschrieben zu haben oder ich kenne die, die Kontakt aufnehmen um irgendwas zu sagen was sie gerade so dachten und glauben es sei große Kunst dies zu tun. Ich kenne auch die, die irgendwas schreiben und irgendetwas geschrieben zu haben – fürchterlich. Und ich kenne die, die überhaupt gar nicht schreiben können – noch viel fürchterlicher. Und ich kenne die, und dann höre ich auch auf mit der Aufzählung derer die ich kenne, oder kennen lernte, die das Blasen und Tuten nicht verstehen , keine Ahnung davon besitzen, wie man bläst und auch nicht wie man tutet. Das wollte ich nur gesagt haben. Um jetzt an anderen Dingen ungehindert weiter zu schreiben.
Zum Glück sind mir Menschen bekannt die nicht nur denken, sprechen sondern auch schreiben können. Ich sage Ihnen, es lohnt sich solche Leute bei sich zu wissen, um sich und vor sich zu wissen. Was wäre man doch mit armen Vergleichen umgeben, wäre da keiner, der besser ist, viel besser ist als man selbst. Himmel, das Leben würde ich nicht aushalten.
Sie glauben hoffentlich nicht, ich neigte zu Übertreibungen. Oh je, ich übertreibe ungern. nur wenn es Not tut. Also in der Not übertreibe ich und dann auch maßlos. Das ist immer dann notwendig, wenn einen die Begriffsstutzigkeit anderer umgibt. Dann muss man übertreiben um hindurch zu kommen. Ich schwöre es Ihnen. Ich könnte Ihnen einige Beispiele anführen. Aber Sie wären nur gelangweilt und würden mich mehr als eh schon, verurteilen.
Partnerschaft empfangen
Es ist etwas besonderes in einer Partnerschaft zu sein. In einer Partnerschaft. Partnerschaft ist ein großes Wort für etwas, von dem ich nur aus Selbsterfahrung weiß, was es bedeutet. Alle anderen Bedeutungen, die man der Partnerschaft zuschreibt, mögen genauso stimmen wie die Gedanken die ich selbst dazu fassen kann. Viele von ihnen sind Illusionen, Definitionen, Ideale. Wenigstens den Idealen kann ich mich nähern ohne größere Verletzungen zu riskieren. Anders als in Illusionen zu leben, lässt es sich mit Idealen sehr wohl leben. Schlimm genug ist es bereits, nach den Definitionen anderer zu leben. Der beste Weg ist es wohl, den eigenen zu gehen.
Die Partnerschaft die ich kennen lerne, unterscheidet sich stark von denen, die ich kannte, kennen lernen durfte. Die Partnerschaft die ich derzeit erlebe, unterscheidet sich von allem davor Gewesenen. Alles davor Gewesene hat mich darauf vorbereitet, die gegenwärtige zu verstehen, mich in ihr trotz aller Unzulänglichkeiten zurechtzufinden, mich (in ihr, der Partnerschaft zu begreifen) zu verstehen. Meine Bedürfnisse sind vielleicht keine neuen, keine anderen als die zuvor. Doch mein Blick scheint wie geschärft durch die vorhergegangene Erfahrung, durch die Auseinandersetzungen, durch Verletzungen an Gewandtheit gewonnen. Meine Bedürfnisse, Träume, meine Wünsche und auch meine Illusionen sind mir heute deutlicher als jemals zuvor. Das bietet mir einen ungeheuren Vorteil im Gegensatz zu früher, im Gegensatz zu den Auseinandersetzungen, in die ich ging, geschickt wurde, mich schicken ließ, mich auf solche einließ, denen ich nicht gewachsen war, nicht gewinnen konnte oder nur gewinnen wollte um Gewinner/In zu sein. Das ist vorbei. So wie die maßlose Blindheit, das übergroße Ego, dass meine Fähigkeiten überstieg, sich in jedem Konflikt mit stolzer Luft aufblähte so dass ich mich selbst, meine Fähigkeiten zu kämpfen, auch für die Wahrheit, zumindest meine eigene einzustehen, überschätzte, grundsätzlich – das alles ist, ich bin mir noch nicht in aller Gänze sicher, aber es scheint wie fortgeweht.
Ich habe bisher wenig begriffen von Verantwortung und begreife erst jetzt, wie wichtig, wie unabdingbar Eigenverantwortung für eine Beziehung zwischen zwei Menschen ist. Und ich begreife erst jetzt, wie einfach man darüber hinweg redet, als hätte man davon wirklich schon alles, und damit auch alles wichtige im Grunde verstanden – meistens hat man dann nichts verstanden. Ich verstehe erst jetzt, wie wichtig die Übung ist, man selbst zu sein, Verantwortung zu übernehmen und ich verstehe erst jetzt, wobei das zeitliche in dieser Entwicklung wenig Relevanz besitzt, da es relativ ist, aber ich verstehe erst jetzt, wie wenig selbst ich war und wie sehr der Wunsch in mir immer gelebt hat, selbst zu sein und wie sehr mich gerade die Menschen davon abhielten, genau das zu werden, die ich liebte, da ich sie liebte, nur um geliebt zu werden. Vielleicht kein Fehler aber doch ein Hindernis ernsthafte Liebe, ehrliche Liebe, reine Liebe zu erfahren, ach was schreibe ich?, zu empfangen.
Was mir Angst macht
Was man fühlt, ist wirklich und was wirklich ist, darf sein. Den Hunger zu stillen, ist genauso ein Bedürfnis, wie den Hunger zu stillen, für den es keinen Magen gibt. Den Hunger nach Liebe. Den Hunger nach Frieden, nach Bewegung, Ankommen oder Dasein. Es ist mir ein Bedürfnis über Bedürfnisse zu schreiben. Ich bin hungrig danach, meine Gedanken in Worte zu fassen, sie zu lesen, also tippe ich mein Bedürfnis mich auszudrücken in diesem Moment in die Tastatur. Wenn ich hungrig bin, die Worte zu sprechen, die ich denke, spreche ich sie aus. Es bedarf Mut, also habe ich ein Bedürfnis nach Mut, wenn ich schreibe, selbst wenn ich spreche – ich meine nicht die Selbstgespräche, aber auch dafür muss man mutig sein (um sich nicht selbst für seltsam zu empfinden). Es gibt Menschen, deren Gegenwart mich mutig macht. Andere Menschen wiederum machen mir Angst.
Ob ihrer Größe, ihres Erfolges, ihrer Disziplin, ihrer Brutalität an alles heranzugehen, was sie sich ausgedacht haben. Bedürfnisbefriedigung beginnt dort, wo man seinem Bedürfnis Raum gibt. Dafür muss man es erkennen, muss man es reflektieren, muss man es zulassen, ihm eine Bedeutung verleihen, einen Wert und dann einen Raum um sich zu entfalten, sich zu entwickeln. Viel Mut braucht man dafür. Dieser Mut kommt nicht von irgendwoher. Er kommt aus der selben „Tür“, ich kann es „Tür“ nennen, Herz oder „Ich“. Jedenfalls kommt der Mut aus mir. So wie jedes Gefühl aus mir selbst heraus kommt. Und wenn ich oben noch geschrieben habe, dass „andere Menschen (mir) wiederum Angst MACHEN“, dann ist das gelogen. Ich entscheide, was mir Angst macht. Oft ist mir das lediglich nicht klar, dass ich es bin, der oder die zu entscheiden hat, welches Gefühl ich zulasse oder nicht. In anderen Momenten ist mir das sehr viel klarer. Beispielsweise in Momenten großer Nähe. Dann lasse ich alle Gefühle zu, die mich von innen her überkommen. Denn diese Gefühle der Liebe, der Nähe oder wie ich sie mitunter alle benenne, lasse ich zu, wenn ich sie mag. Dann immer glaube ich, sie seien es wert auch gelebt zu werden, gezeigt zu werden. Dann will ich sie nicht verstecken. Also lebe ich sozusagen nur meine Schokoladenseite. Was ich wirklich bin, wer ich wirklich bin, das erfahren die wenigsten. Auch die wenigsten Freunde. Inzwischen stelle ich fest, dass die nicht gelebten Gefühle, die ich nur einsam heraushole, hervor lasse, mich noch viel mehr auszeichnen. Nur können sie sich nicht entwickeln. Es ist, als halte man eine Blüte davon ab zu blühen. Aus Angst.
Einsamkeit II
Auf Einsamkeit reagiert der Mensch in der Regel mit Gesellschaft. Und auf Gesellschaft entsteht das Bedürfnis nach Einsamkeit. Dennoch gibt es Menschen, die fürchten sich vor dem Einsamsein. Dem plötzlich aus dem Selbst auftauchenden Gefühl tiefer Unerfülltheit, die man vielleicht nicht zu erfüllen weiß. Aus Angst vor Einsamkeit hüpfen drei Viertel der Menschheit in Beziehungsverhältnisse, die so oft nichts mehr sind als zweisame Zustände und mit Liebe sehr wenig zu tun haben, denn mehr mit Illusionen, Wunschgedanken. Das übrige Viertel hüpft in die Kiste und bleibt dabei einsam verpartnerschaftlicht in Zweisamkeit.
Einsamkeit verursacht vielen Angst. Angst sich selbst zu begegnen. Angst davor einsam mit sich selbst zu sein. Deshalb drehen wir das Radio an, wenn wir nach Hause kommen, telefonieren Stunden, nur um die Stille nicht ertragen zu müssen, in der das eigene Ich plötzlich eine Stimme erhält. Wer seine eigenen Bedürfnisse von anderen in einer Beziehung wünscht erfüllt zu bekommen – der wird irgendwann einsam sein, sicher. Weil kein Partner das erfüllen kann wonach wir uns sehnen, wenn Einsamkeit aufkommt. Früher oder später zerbricht jede Beziehung an dieser Unfähigkeit eines Menschen, sich selbst erfüllen zu können. Man kann das überall sehr gut beobachten. Der Zerfall einer Beziehung kündigt sich langsam doch fortwährend an. Meistens gibt es ein Ende mit Verletzten. Weil die Beteiligten voneinander nicht bekommen was sie sich wünschen – Liebe. Jene Liebe zu sich selbst. Jene Liebe, die diese Einsamkeit aufhebt und einen bereit sein lässt, bedingungslos zu lieben, ohne Erwartungen etwas dafür zu erhalten.
Und niemand der zu einem rückt, der einem den Schwanz reindrückt oder man ihr oder ihm, füllt damit das Loch der eigenen Leere oder besser: die Leere durch Einsamkeit. Die bleibt. Wie soll man sich selbst auch erfüllen durch einen anderen? Wie kann ein Mensch mir geben, was er selber braucht?
Einsamkeit ist nicht das Loch, dass wir uns einbilden füllen zu müssen. Auch nicht mit der Liebe eines anderen. Wie könnte auch jemand ein Loch weglieben. Einsamkeit ist was wir selber sind und das verlangt nach uns – es ist das Gefühl für uns selbst. Oft, desto einsamer wir uns fühlen, desto mehr leben wir bereits für andere und missachten die eigenen Bedürfnisse. Dabei hat man für andere noch mehr über, wenn man sich selbst nicht mehr leer fühlt sondern seine eigenen Bedürfnisse befriedigen kann.

