Was mir Angst macht
Was man fühlt, ist wirklich und was wirklich ist, darf sein. Den Hunger zu stillen, ist genauso ein Bedürfnis, wie den Hunger zu stillen, für den es keinen Magen gibt. Den Hunger nach Liebe. Den Hunger nach Frieden, nach Bewegung, Ankommen oder Dasein. Es ist mir ein Bedürfnis über Bedürfnisse zu schreiben. Ich bin hungrig danach, meine Gedanken in Worte zu fassen, sie zu lesen, also tippe ich mein Bedürfnis mich auszudrücken in diesem Moment in die Tastatur. Wenn ich hungrig bin, die Worte zu sprechen, die ich denke, spreche ich sie aus. Es bedarf Mut, also habe ich ein Bedürfnis nach Mut, wenn ich schreibe, selbst wenn ich spreche – ich meine nicht die Selbstgespräche, aber auch dafür muss man mutig sein (um sich nicht selbst für seltsam zu empfinden). Es gibt Menschen, deren Gegenwart mich mutig macht. Andere Menschen wiederum machen mir Angst.
Ob ihrer Größe, ihres Erfolges, ihrer Disziplin, ihrer Brutalität an alles heranzugehen, was sie sich ausgedacht haben. Bedürfnisbefriedigung beginnt dort, wo man seinem Bedürfnis Raum gibt. Dafür muss man es erkennen, muss man es reflektieren, muss man es zulassen, ihm eine Bedeutung verleihen, einen Wert und dann einen Raum um sich zu entfalten, sich zu entwickeln. Viel Mut braucht man dafür. Dieser Mut kommt nicht von irgendwoher. Er kommt aus der selben „Tür“, ich kann es „Tür“ nennen, Herz oder „Ich“. Jedenfalls kommt der Mut aus mir. So wie jedes Gefühl aus mir selbst heraus kommt. Und wenn ich oben noch geschrieben habe, dass „andere Menschen (mir) wiederum Angst MACHEN“, dann ist das gelogen. Ich entscheide, was mir Angst macht. Oft ist mir das lediglich nicht klar, dass ich es bin, der oder die zu entscheiden hat, welches Gefühl ich zulasse oder nicht. In anderen Momenten ist mir das sehr viel klarer. Beispielsweise in Momenten großer Nähe. Dann lasse ich alle Gefühle zu, die mich von innen her überkommen. Denn diese Gefühle der Liebe, der Nähe oder wie ich sie mitunter alle benenne, lasse ich zu, wenn ich sie mag. Dann immer glaube ich, sie seien es wert auch gelebt zu werden, gezeigt zu werden. Dann will ich sie nicht verstecken. Also lebe ich sozusagen nur meine Schokoladenseite. Was ich wirklich bin, wer ich wirklich bin, das erfahren die wenigsten. Auch die wenigsten Freunde. Inzwischen stelle ich fest, dass die nicht gelebten Gefühle, die ich nur einsam heraushole, hervor lasse, mich noch viel mehr auszeichnen. Nur können sie sich nicht entwickeln. Es ist, als halte man eine Blüte davon ab zu blühen. Aus Angst.
