missgeschick

give him some space

In Alltag on März 26, 2008 at 12:09

Ich genieße den Strahl Rotwein, der mein Glas aus gewagter Entfernung mit artistischer Professionalität zu treffen vermag und flutet;

genieße den Schluck Wein den ich nicht mehr trinken wollte, da ich müde war, genieße die Zigaretten die ich heute nicht rauchen wollte und mir in einem aufwendigen Exkurs soeben an der Tankstelle erstatten konnte und genieße einen Zustand, den ich nicht vorhersehen sollte.

Zusammenfassend: ich genieße den Alltag, genauer meinen Alltag, der mich an den Monitor fesselt und mich in Sphären spült und mir Gedanken wie frisches Saison-Gemüse serviert – free-tour for members! Das Gästebuch schreit vor Aufmerksamkeit und bricht aus seinen von mir gehaltenen und tatsächlich gepflegten Fugen, weil mir plötzlich, er- oder unerwartet die gesichtslosen Menschenwesen, Früchte zutrugen. Stoff für weitere Machenschaften. Zusammengefügt zu einem Ganzen, an dem wir alle zuvor gerade erst auseinanderklafften.

Da tummeln sich die geistig sprudelnden Quellen der vielen mit liebesapfelnder Glasur überzogenen Helden und ich suche die Paladine; reise auf dem Rücken der kitschigen doch freundlichen Delphine, die mich auf meiner andauernden Reise beschützen mögen. David im penetranten Kampf gegen Goliath auf der zerreibenden Suche nach dem gern gesehenen gleichgesinnten Geisteskonzentrat, fleht und bettelt, von seiner unentwegten Sehnsucht und der stochernden Hungersnot getrieben, getriebeschmierend Geschwindigkeit suchend, um nur noch schneller in der stärkenden Heimat anzukommen, die er erst finden will, in gegenwärtiger Heimatlosigkeit verblieben.

Scheinbar unzufrieden mit dem entschwindenden Jetzt und dem verfallenden Hier gleitet er talabwärts dem auswärtigen Meer der irrealen Märchen entgegen, den regungslosen Stillstand suchend, das momentane Ende der Reise respektierend.

Er zündet eine neue, umgangsprachliche Fluppenrakete, um noch einmal die vergötterte Erde verlassen zu können, um noch einmal mit ungestümem Triebwerk von außen auf das Innen einen außerirdischen Blick zu erhaschen, auf die jungfräuliche Unberührtheit der bisher unzugänglichen Gefilde, der sich ihm eröffnenden Tore und Gebilde, die sich hinter den bergspitzenden Buchstabengipfeln tarnen. Winde, aufstrebende Figuren, Charaktere und zitternde Eiseskälte ziehen ihn in seinen Bann und unaufhörlich scheinen die sich aneinanderreihenden Motive seiner Reise durch die stetige Gegenwart, deren himmelwärts gerichteten Grenzen zur Zukunft er nicht im Stande ist, zu übertreten, sich im gerade erst erleuchteten Teil des fremdländischen Dunkeln vor ihm zu offenbaren, zu ergötzen in frommen Gebeten, deren unfassbare Sprache er noch längst nicht versteht.

Gefahren! Sein abnormer Wagen ist ohne Motor; er kutschiert die Hänge der Vergangenheit mit seiner vierrädigen Kutsche ohne gebräuchlichen Bremsverstärker hinunter und gewinnt einzig an schwindelerregendem Tempo. Flussabwärts hat die geheimnisvolle Natur aller natürlichen Gesetze ihm seinen verträglichen Schatz versprochen. Flussabwärts trägt er sein modelliertes Herzbehältnis, das gebrochen nach zeitloser Heilung trachtet. Flussabwärts ist die eingeborene Richtung die einen selbst in intensivster Verwirrung unterstützt. Die ihm und einem und manchem, auf dem Buckel des ambivalenten Regenbogens, richtungsweisend nützt.

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