Archiv für die Kategorie ‘Intensität’
Eifersucht
… ist eine Mutter, von der zu trennen ich versuchte. Ergebnislos. Besser ergebnislos. Wir lachen inzwischen übereinander, die Mutter und ihr Kind. Eifersucht und dieses schon so alte Kind lernt es nie, dass es ein Leben ohne Mutter geben wird, dass es ein Leben davor, währenddessen und danach geben wird. Gibt. Schon eigentlich immer gab. Das es Dinge gibt, von denen man sich trennt, irgendwann. Dabei sind es nur die Skizzen dessen, was nicht ist oder einmal war und es ist nur die Angst vor dem was kommt, was ist und zu verlieren was einmal war. Eifersucht ist so übertrieben wie eine … und darum lohnt es sich kurz daran zu erinnern, … wie eine auslaufende überschäumende Welle, sie wird immer verlieren, immer auslaufen, andere werden folgen und den Ufersaum gestalten und den Boden unter den Füßen umspülen. Eifersucht ist das spielende Meer, das sich am Ernst dieser Welt enttäuscht. Wir sind nicht darauf angewiesen zu verstehen, warum wir die Wellen nicht fangen können aber wir lieben, dass sie nicht aufhören. Sie hören auf sobald die Liebe vergeht. Andere folgen.
Das ist ein dummer Text mit berechtigten Gedanken.
Kulturlos
Zerloddert erscheint mir mein Gewissen, das innere Treiben beobachtend, natürlich auch das äußere Geschehnis oder besser: die unzähligen, unzählbaren Geschehnisse. Zerloddert vom Kampf gegen die Kultur dort draußen, hier im Westen, in der westlichen Welt kämpfend, so kulturlos. Neugierig und darum inzwischen, nach alle den Kämpfen mit den westlichen Kulturen in mir und um mein Gewissen herum, erscheint inzwischen jeder Flügelschlag meines Geistes als Abnorm, doch kulturlos betrachtet ist es gar ferner der Norm, es ist ungenormt was ich da veranstalte und vor dessen Normierung ich mich fürchte und mein Gewissen, um endlich nicht mehr immer sich selbst verteidigen zu müssen, diese moralische Dame mit falschen Zähnen und dem guten Benehmen, sie will ruhen. Ein für alle mal. Beinahe habe ich schon Orientierung. Orientierungslose bin ich noch.
Beweis einer Liebe
Um mich herum eine unerschöpfliche Zahl von Bewunderern und Lastenträgern des Lebens, der Eitelkeiten, des Stolzes und derer Menschen die ihre Wunschträume vom idealen Partner wie Zimtsternchen reproduzieren, außerdem ein paar liebenswürdige doch multiple Gestalten die versucht sind zu lieben und ein Schatz, der zu bergen sich lohnte, mehr oder minder treu an meiner Seite. Das sehe ich, wenn ich um mich schaue …
… dann denke ich, den idealen Partner gibt es eigentlich ausschließlich nur in der persönlich subjektiven Momentaufnahme, ansonsten im Theaterschauspiel oder in Hollywood-Filmen und im richtigen Blickwinkel der Betrachtung gibt es ihn auch. Ideale erkennt man nicht mit dem Auge. Das Ideal ist etwas abstraktes, sich ihm zu nähern erfordert Charakter. Menschen sind alles andere als Ideale – das zu verstehen erfordert Verstand. Schönheitsideale altern und verändern sich, sind erstrebenswerte Zustände für manche, für andere nicht. Um auch das Stroh das einen umgibt in Feuer zu verwandeln, auf das es zum Himmel auffliegt, bedarf es Intellekt und manchmal ein Vermögen an Geduld.
Der verständnislose Rest von uns verliert sich in Geduldlosigkeit, in Sebstbetrug und/ oder den Folgen der Ent-täuschungen, der Desillusionen die uns das persönliche Schicksal vermacht. Leider gibt es keine ausführliche Reisekarte, die uns vor Orientierungslosigkeit durch die Einkehr der Wahrheit bewahrt, wenn wir aus Nachlässigkeit in ihr irren.
Schon Friedrich Hölderlin schrieb in seinen Briefen, dass er die Götter, die unübertrefflichen, täglich neu rufen müsse. Über das Ideal ließe sich schreiben, was Franziska Gräfin zu Reventlow in ihrem Essay „Das Männerphantom der Frau“ einmal über eben jenes Phantom formulierte: Es läßt sich das weder generalisieren noch spezialisieren, das eine wäre zu oberflächlich und das andere zu schwierig oder, richtiger gesagt, einfach unmöglich. So weit zum Ideal, zur Verblendung und zum Menschen.
Junge Menschen wie das mir zuteil gewordene Exemplar, neigen lediglich aus Unerfahrenheit zu Misstrauen, wo sie unfähig sind Vertrauen zu bilden, und zu innerer Zerrissenheit, die sich teils nach außen hin wiederspiegelt. Was alles ist gerade Ihnen ein Beweis für den Mangel an Liebe?! Und welche Anstrengung ist es für diejenigen, die die Liebe schon lange nicht mehr beweisen mögen, geschweige denn müssen.
Niemand ist fertig mit dem Leben das er lebt, bevor er daran nicht krepiert. Die vorher krepieren, krepieren an gesellschaftlichen Konventionen oder der Intensität persönlicher Freiheiten, die sie verglühen lassen, in der Befriedigung ihrer Bedürfnisse – erstrebenswerte Zustände vielleicht. Es gibt viele Gründe zu sterben (und noch mehr Gründe wenigstens einmal zu leben). Es kommt wohl auch darauf an, welche Lebensmittel welche Anwendung finden. Leben ist Risiko, da nichts bleibt wie es ist – lässt man sich nur einmal darauf ein wird man es nicht mehr los (bis man daran krepiert).
Zwischen uns, dem Schatz, dem gehobenen und mir, liegen ein paar Jahre. Das verursacht mitunter die beziehungslästigen Stunden oder Tage, manchmal Wochen, wenn begehbare Brücken an dieser Stelle fehlen oder wenn mir die Jugendlichkeit, die sich ausdrückt in ihrer Beziehungsunerfahrenheit, zuwider wird, weil meine Geduld sie nicht erträgt und mein Verstand sie nicht versteht, Sturm und Drang meinen Friede und die Ruhe zerstören oder die Formlosigkeit meine Fassung zerbeult.
Überall taucht Angst und Zweifel auf, aufgrund der geistig skizzierten Untreueszenarien im Kopf meines Gegenübers. Angst um Verlust. Angst, dass das Leben ein anderes Drehbuch schreibt, der persönliche Plot nicht mit dem Schicksal sympathisiert. Dann werde ich gebeten Stellung zu nehmen.
Doch was, wenn Liebe keine Forderungen stellt? Ich will bedingungslos lieben, irgendwann, vielleicht ab morgen schon. Wir erinnern uns gegenseitig, doch selten daran, an die Liebe, die bedingungslose. Im Grunde weiß doch kein Mensch, wo die Untreue beginnt, ob im Kopf oder auf der Straße. Und doch kehrt Angst in die Leere der Einsamkeit in uns, sobald ein mancher an sie denkt. Besessen von Angst mögen manche erblinden. Klarheit tritt ein, wo der Glauben an die Vernunft überwiegt.
Ein wenig Zärtlichkeit beschwichtigt ihre noch unermüdlichen Ängste (der Jungen) gegenüber den Vergänglichkeiten im Leben. Glücklicherweise habe auch ich Schwächen, enorme. Also bin auch ich gewöhnlich. Erst recht liebe ich darum Menschen die anders sind – für Momente stärker scheinen als man selbst, aufrichtiger, charakterfester, zielstrebiger und weniger selbstgerecht und -verliebt. Manchmal liebe ich mich selbst. Das macht einen zum Menschen – das nicht scheren um andere. Man muss sich dazu nur die Welt anschauen und die Gänze der Menschheit die auf ihr lebt.
Ich hielt vor Kurzem das junge Leben an meiner Seite für unerträglich, dessen grelle Blüte zu süß und seine Gestalt in seinen unbestimmten Formen für zu unreif, seine Einsamkeit um so vieles größer als die meine und seine, in manchen Momenten unseres Zusammenseins einsetzende Oberflächlichkeit für unbegründet (und verurteilte sie). Doch weder fühle ich mich im goldenen Käfig, noch ist dies ein Brief aus dem Gefängnis.
Was ich nicht sah, ist der Prozess in dem es sich befindet, die heranwachsende Reife des Lebens in dieser Figur, diese unendliche Weisheit und der Kampf des blutjungen Verstandes, ihr im dunklen Moment zu folgen – die selbstverständliche Suche nach dem Platz in der Welt.
Ich musste feststellen, dass es nichts gibt, dass nicht einer Verbesserung unterzogen wird und dass das Leben selbst alles ausbessert wo Zeit vorhanden ist. Praktisch brauche ich dafür nichts tun. Bestenfalls beobachten. Und da niemand alles verbessern können wird, lohnt es wenig, die Welt im Ganzen ändern zu wollen. Man verliert sich und vergisst sich darüber selbst. Ist Ruhe die erste Bürgerpflicht für die die lieben wollen?
Eine Phantasie
Mir ist nach Untreue. Das hat auch Gründe. Wenn es in der Beziehung weder nach vorn noch zurück geht, tritt dieser tödliche Stillstand ein, Atemnot. Ich fürchte mich davor. Es ist, als gammele einem der Kopf ab. Woody Allen erwähnte an einer Stelle seines Stadtneurotikers, dass Haifische wie die Liebe seien, würden sie stehen bleiben, krepierten sie elendich. Aus Atemnot.
Die Gedanken schweben wie glitzernde Tetrisbausteine, vage in der Ortlosigkeit meines Kopfes, nicht hin und her, eher aufsteigend, obgleich gerade erst vom Scheitel hinabgefallen. Ein Durcheinander, an manchen Tagen, in mir, in der Beziehung, wenn es weder nach vorn noch nach hinten geht. Alles steht. Bis auf zwei Ausnahmen bewegt sich nichts mehr: die Welt und die Phantasie.
Im Stillstand, da dreht sie sich um einen herum, die Welt, schnell wie das Wasser, dass im nächsten Moment durch den Abfluss die Kanalisation betritt, zwischen den Händen zerrinnt, und im Dunkeln verschwindet. Zurück bleibt eine leere Keramikwanne auf Füßen die laufen können und ich. Ich möchte mit, zurück ins Meer. Auch wenn das die Beziehung sein kann.
Das Dunkel, aus dem die Phantasie herausbricht, still, klammheimlich, höre ich phantastische Gedanken aus dem Scheitel herabtropfen. Der stete Tropfen höhlt den Stein. Denke ich. Ich denke nicht nach. Denn ich lasse die Gedanken passieren und folge ihnen nicht. Das allein muss sein. Muss wirklich mal sein. Das gesprochene Wort bringt mehr Chaos, Verwirrung.
Das einzige Licht, wenn nichts sich mehr bewegt, strahlt aus dem eigenen Gewissen heraus. Moral! Wie notwendig sie ist und darum so gewöhnlich erscheint.
Ganz sicher nicht um jemanden zu ärgern, ist mir nach Untreue, diesem vielbeschriebenen Wort zumute, dass mich in solch kalten Zeiten noch ein wenig erhitzt – durch das innere Zwiegespräch mit dem eigenen Gewissen: soll ich? Darf ich? Kann ich? Ich bräuchte ein wenig Intensität. Denkt, wer die letzte nicht mehr spürt. Intensität statt Gewohnheit. Ich bin der bekannten Ansichten müde. Das Alte überwiegt das Neue, manchmal. Ich möchte nur dem Alten untreu werden, nicht dem Neuen. Was ich kenne ist von Wert.
Der Anblick meines Partners erhitzt mich, verfolge ich die neuen Phantasien, vergleichsweise wenig. Aber vergleiche ich mich mit dem, was ich mir wünschte zu sein, verhält es sich nicht anders.
Ich kenne die Bewegungen meines Gegenübers, alle, die Gesichter, die langweilige Mimik, alles – zieh doch endlich einfach den Stöpsel und dreh Dich bis das Dunkel Dich verschlungen hat – ich würde Dir folgen! Nur noch Phantasie ermuntert mich beim Anblick des doch eigentlich schönen Körpers – das erscheint geradezu mühevoll, irgendwie subventioniert. Kann das? Darf das? Soll ich? Ich mache schön, was nicht mehr schön ist, augenblicklich, momentan, sagt mein Gewissen. Eine Momentaufnahme, wenn ich nachdenke.
Phantasien sind nichts anderes als unausgesprochene Entscheidungen. Gutwillige Krebsgeschwüre – es gibt sie nicht. Doch diese Untreue ist Phantasie. Sie gehört dazu.
Nichts ist unmöglich
Ausdauernd versorgen wir uns mit Werbebotschaften, die uns suggerieren, unsere Gefühlswelten mit Hilfe diverser Produkte im Glück installieren zu können. Nichts ist unmöglich. Sich mit etwas zufrieden geben klingt, gestatten Sie mir meine Wahrnehmung schriftlich zu hinterlegen, dieser Tage wie als sei man „unfähig mehr zu konsumieren“, sprich „altmodisch“. Es ist offensichtlich salonfähig, unbedingt auch Gefühle zu konsumieren. Wenn der Mensch Flugzeuge herstellt, die auch noch fliegen können, dann kann er wohl auch Gefühle herstellen, die sich fühlen lassen, wird man irgendwo gedacht haben. Ganz oft haben es dann andere geglaubt, äh … glauben das immer noch. Menschen glauben was man ihnen nur lange genug erzählt.
„Weil ich es mir wert bin!“, mache ich Yoga, befolge Diäten, suche sexuelle Befriedigung durch Singlebörsen – immer aber mit einem Motiv – Verbesserung. Und eigentlich ist die Verbesserung eine gezielte, eine gewollte Veränderung, sonst nix. Wir handeln aus Motiven. Leider oft aus egoistischen Motiven. Das wir sie nicht selten kaum kennen, unsere Motive, ist irgendwie verheerender als das sie egoistisch sind, unsere Motive.
Das Gefühl das sich konsumieren lässt, soll besser sein als die vorhandenen. Warum auch nicht? Wenn wir können, dann wollen wir die Intensität unserer Gefühle schließlich steigern oder die Leere füllen, uns mal wieder wohlfühlen, irgendwo am Ende wollen wir zufrieden sein. Wir sind nicht zufrieden, wir wollen zufrieden sein. Menschen wollen etwas sein. Menschen sind ungern etwas. Schlimm wird es, wenn der Weg das Ziel sein soll. Das Leben sagt häufiger: Rette das Ziel und triff daneben. Dasein ist einfach besser als Ankommen. Aber was ist, halten wir offenbar nicht aus. Und was ist, das wissen wir meist weniger gut, als dass was sein wird, wenn eintritt was wir uns vorstellen.
Dabei ist Intensität immer vorhanden, ganz ohne ein neues Gefühl in uns immer gegenwärtig. Denn Intensität kommt nicht von außen, sie ist nicht extensiv, sie ist intensiv. Aber selbst wer das nicht glaubt, muss die Intensität in sich selbst nur erkennen. Die Intensität der Zustände die man abändern möchte und deshalb loszieht und einkauft was man kriegen kann. Diese kurzfristigen Scherze, die wir Glück nennen und anschließend in den Kleiderschrank hängen, bis die Motten das Glück zerfressen haben. (Selbstverständlich gibt es auch Intensitäten die von außen in uns eindringen.) Es scheint als flüchte man vor der Intensität des eigenen Daseins, der Intensität der inneren Einsamkeit, Leere, vor dem Gefühl der Gewohnheit, der Langeweile, mit der Sehnsucht nach Veränderung, dem Erlebnis. Man selbst will sich offensichtlich gar nicht mehr erleben. Man will lieber etwas neues. Merziger macht herziger.
Sich zufrieden geben mit etwas bedeutet auf griechisch agapao und ist ein anderes Wort für Liebe. Etwas bevorzugen. Ich liebe es. Was ist aber, wenn wir nicht uns, sondern etwas anderes bevorzugen? Etwas das wir gerade offenbar nicht sind. Das was besser ausschaut … sich besser anfühlt, jünger, vitaler … Im Grunde suchen wir stetig nach einem Gefühl des Wohlstandes, oder täusche ich mich? Nicht nur materiell, auch immateriell – die geistige Entwicklung sowie unser seelisches Gleichgewicht gehören zu diesen Zielen dazu. Ist das neu? Nein, mit Perwoll gewaschen.
