Archiv für die Kategorie ‘Parasitismus’
Aus Einsamkeit ein Parasit
Einsam allein sein, zweisam einsam – wer gelebt und dabei geliebt hat, kennt Einsamkeit, kennt ihre Symptome, vielleicht ihre Ursachen. Einsamkeit überwindet man mit dem Verstand. Man überwindet sie nicht, indem man andere Menschen an sich bindet oder umgekehrt, sich selbst aufgibt.
Einsamkeit ist eine Empfindung, ein überdurchschnittliches Gefühl, stark, überwältigend immer dann besonders beobachtet, wo Menschen vergessen sich selbst zu erfüllen. Sowohl in der Wirtschaft wie auch in der Politik binden sich die Schwächeren an die Stärkeren, in der Natur spricht man von Wirt und Parasit. Ist man erst in die Rolle eines Parasiten geschlüpft und hat man seinen Wirt gefunden, lässt es sich aushalten, leben und dem Anschein nach lieben. Parasiten schmarotzen. Friedrich Schiller schrieb ein Lustspiel namens Der Parasit – die Kunst sein Glück zu machen. Ein Parasit befällt seinen Wirt auch zu Fortpflanzungszwecken. Man kann sich vorstellen, dass ein Parasit Einsamkeit oder das einfache Alleinsein sehr fürchtet. Wahrscheinlich ist ein Parasit extrem sensibilisiert auf beziehungstechnische Störungen, fühlt sich schnell ausgeschlossen und verlassen, im Stich gelassen. Einmal alleingelassen können Parasiten zu komplizierten Organismen heranwachsen. Ewig begleitet von Furcht vor der Einsamkeit.
Es gibt welche, die fühlen sich noch unter Menschen einsam. Einsamkeit schlägt sich nicht nur nieder in einem Gefühl, sie wirkt und kann strahlen wie ein Schmerz, doch nur bei denen, die ihr den natürlichen Platz in sich selbst nicht zuweisen, nicht wissen wohin mit ihr, die glauben, dass Leben geschehe insbesondere innerhalb einer Beziehung ohne jede Form der Einsamkeit. Und alles was dabei herauskommt ist Angst, ist Anspannung, dass das was wir glauben, nämlich sicher zu sein, von niemandem und nichts zerstört werden kann. Dabei gibt es keine Sicherheit. Dabei sind wir es selbst, die nicht funktionieren, weil wir das Gefühl, das eigene Gefühl und sei es das Gefühl der Einsamkeit, ausschließen möchten. Es sind die, die etwas besonderes sein wollen, besonders durch das Ausbleiben von Einsamkeit.
Besonders dann wenn wir uns nicht mögen, fühlen wir uns einsam. In der Wut sind wir einsam, in der Trauer umso mehr, mit unseren Gefühlen erst Recht. Und dann geht es los mit dem Rückzug, den Schuldzuweisungen, dem Unverständnis – man glaubt, immer wenn man einsam ist, verstünde einen niemand mehr und am liebsten denkt man mitunter, dass liege wohl am mangelnden Intellekt des sozialen Umfeldes.
Einsamkeit ist was ruft, wenn wir uns verloren haben. Einsamkeit ist nur ein Zeichen unserer selbst, uns nicht außer Acht zu lassen, nicht jemanden wichtiger werden zu lassen als uns selbst. Das ist Einsamkeit und es ist Verantwortung. Sie hält uns dann wach in der Nacht und raubt uns den Schlaf, damit wir weiter laufen, uns wiederfinden, sie nimmt uns die Beweglichkeit und schmerzt in den Gliedern, auf das wir uns selber nur endlich wieder fühlen und wahrnehmen. Einsam ist der, der sich selbst nicht liebt und sich seine Bedürfnisse nicht erfüllt – insbesondere das Bedürfnis selbst und damit erfüllt zu sein.