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Eine Phantasie
Mir ist nach Untreue. Das hat auch Gründe. Wenn es in der Beziehung weder nach vorn noch zurück geht, tritt dieser tödliche Stillstand ein, Atemnot. Ich fürchte mich davor. Es ist, als gammele einem der Kopf ab. Woody Allen erwähnte an einer Stelle seines Stadtneurotikers, dass Haifische wie die Liebe seien, würden sie stehen bleiben, krepierten sie elendich. Aus Atemnot.
Die Gedanken schweben wie glitzernde Tetrisbausteine, vage in der Ortlosigkeit meines Kopfes, nicht hin und her, eher aufsteigend, obgleich gerade erst vom Scheitel hinabgefallen. Ein Durcheinander, an manchen Tagen, in mir, in der Beziehung, wenn es weder nach vorn noch nach hinten geht. Alles steht. Bis auf zwei Ausnahmen bewegt sich nichts mehr: die Welt und die Phantasie.
Im Stillstand, da dreht sie sich um einen herum, die Welt, schnell wie das Wasser, dass im nächsten Moment durch den Abfluss die Kanalisation betritt, zwischen den Händen zerrinnt, und im Dunkeln verschwindet. Zurück bleibt eine leere Keramikwanne auf Füßen die laufen können und ich. Ich möchte mit, zurück ins Meer. Auch wenn das die Beziehung sein kann.
Das Dunkel, aus dem die Phantasie herausbricht, still, klammheimlich, höre ich phantastische Gedanken aus dem Scheitel herabtropfen. Der stete Tropfen höhlt den Stein. Denke ich. Ich denke nicht nach. Denn ich lasse die Gedanken passieren und folge ihnen nicht. Das allein muss sein. Muss wirklich mal sein. Das gesprochene Wort bringt mehr Chaos, Verwirrung.
Das einzige Licht, wenn nichts sich mehr bewegt, strahlt aus dem eigenen Gewissen heraus. Moral! Wie notwendig sie ist und darum so gewöhnlich erscheint.
Ganz sicher nicht um jemanden zu ärgern, ist mir nach Untreue, diesem vielbeschriebenen Wort zumute, dass mich in solch kalten Zeiten noch ein wenig erhitzt – durch das innere Zwiegespräch mit dem eigenen Gewissen: soll ich? Darf ich? Kann ich? Ich bräuchte ein wenig Intensität. Denkt, wer die letzte nicht mehr spürt. Intensität statt Gewohnheit. Ich bin der bekannten Ansichten müde. Das Alte überwiegt das Neue, manchmal. Ich möchte nur dem Alten untreu werden, nicht dem Neuen. Was ich kenne ist von Wert.
Der Anblick meines Partners erhitzt mich, verfolge ich die neuen Phantasien, vergleichsweise wenig. Aber vergleiche ich mich mit dem, was ich mir wünschte zu sein, verhält es sich nicht anders.
Ich kenne die Bewegungen meines Gegenübers, alle, die Gesichter, die langweilige Mimik, alles – zieh doch endlich einfach den Stöpsel und dreh Dich bis das Dunkel Dich verschlungen hat – ich würde Dir folgen! Nur noch Phantasie ermuntert mich beim Anblick des doch eigentlich schönen Körpers – das erscheint geradezu mühevoll, irgendwie subventioniert. Kann das? Darf das? Soll ich? Ich mache schön, was nicht mehr schön ist, augenblicklich, momentan, sagt mein Gewissen. Eine Momentaufnahme, wenn ich nachdenke.
Phantasien sind nichts anderes als unausgesprochene Entscheidungen. Gutwillige Krebsgeschwüre – es gibt sie nicht. Doch diese Untreue ist Phantasie. Sie gehört dazu.
Verführung ins Abenteuer
Eine Verlockung ist einerseits der Ausdruck eines charismatischen Charakters und andererseits ein Angebot. Und zwar ein sehr persönliches. Man braucht es mit niemandem, außer mit dem Anbieter selbst, zu teilen. Das eigene Ego weiß darum und erkennt recht schnell die Möglichkeit daran zu wachsen oder den egoistischen Hunger nach Geliebt- und Wertsein zu stillen. Wer ein begeisterungsfähiges Ego besitzt, ist leichter zu verführen ein Abenteuer einzugehen. Eine Verlockung wird aber erst dann zum Abenteuer, wenn man es als solches deklariert und sich zum Abenteuer verführen lässt. Abenteuerreisen gibt es weltweit aber auch in jeder Lokalität alltäglich. Ohne die Abenteuerreisen der Portugiesen oder der Spanier hätte man Amerika nicht entdeckt. Eine Verlockung ist eine Möglichkeit seine Bedürfnisse zu stillen – nach etwas erfrischend Anderem, etwas Neuem, etwas das einem beweist noch zu leben, sich dem Leben zu stellen oder etwas Wert zu sein. Wer sich entscheidet seine Bedürfnisse zu stillen, sammelt Erfahrungen im Umgang mit der Freiheit – die nicht immer gut sind. Sie können geistig wie emotional verwirren. Aber das ist Leben. Das Abenteuer ist im Vergleich zum Alltag schnell ein Erlebnis, wenn auch ein risikoreiches.